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Die drei Grade

Die Tempelarbeit

 

„Der Mensch selbst aber ist dazu geboren, das Weltall zu betrachten und nachzuahmen – keinesfalls als vollkommenes Wesen, sondern sozusagen als ein winziges Teilchen des Vollkommenen.“ (Cicero)

Versetzen wir uns in dunkle Vorzeiten der Menschheit zurück, vielleicht bis in die Zeit des Übergangs vom frühen Hominiden zum Homo sapiens, so dürfen wir sicher sein, daß jenes „neue“ Geschöpf die Urangst der höheren Kreatur vor Dunkelheit und Tod mit hinüber genommen hat in das neue Reich. So war in den ersten Anfängen des Sich-selbst-Bewußtwerdens jeder Sonnenaufgang ein Erlebnis göttlicher Liebe, der Erlösung von Dunkelheit und Kälte der Nacht.

Ein gleiches gilt im Jahreszusammenhang für den Frühlingsanfang, wenn die Länge der Tage erstmalig jene der Nächte überdauert. Daß dies keine bloße Spekulation ist, beweisen unzählige Bilder aus frühester Zeit, zumeist Höhlenmalereien. Dabei dominieren solche, die sich auf die Sonne beziehen. Um die Gesetze dieser "obersten Gottheit" und ihrer Geschwister, der Planeten, vielleicht ihren Willen zu erforschen, wurden umfangreiche „astronomische Meßanlagen“ errichtet, jene geheimnisvollen Steinsetzungen der Megalithkultur wie die berühmte von Stonehenge und viele andere. Daß diese Anlagen gleichzeitig als Kultstätten dienten, leuchtet ein; denn man trat dort ja in Beziehung zu den Göttern. Und auch jene heiligen Orte, die nur noch der Anbetung oder dem Mysterium dienten, blieben nach Osten hin ausgerichtet, wo die höchste Gottheit immer von neuem wiedergeboren wird. Das Ergebnis der Beobachtungen wurde in Bildern festgehalten, die, in Felsen geritzt, uns heute Kunde geben, welch zentrale Rolle die Bewegung der Gestirne und allen voran der Sonne im Leben unserer Urahnen spielte.

Wanderung der Sonne

Der Schwerpunkt der Aussagen jener Symbole bezieht sich auf die Wanderung der Sonne durch die Nacht sowie durch die Unterwelt des Herbst-Winter-Halbjahres. Immer wieder begegnen wir Darstellungen von Schiffen oder Wagen, welche die Sonne zum neuen Aufgang tragen. Zu den häufigen Sonnensymbolen gehört das Radkreuz, das kein Abbild der „Sonnenscheibe“ ist, sondern die Jahreswanderung des Lichtgestirns durch den Tierkreis darstellt. Dabei wurden die Punkte der Sonnenwenden sowie jene der Tag-und-Nachtgleichen besonders hervorgehoben; denn die Sonnenwenden bedeuteten Tod und Wiedergeburt des Gottes auf der einen und sein Triumph über die Finsternis auf der anderen Seite, während die Tag-und-Nachtgleichen sein Hinabtauchen in die Unterwelt und das Wiederauferstehen ins Reich des Lichtes anzeigen.

Weltenbaum - Baum des Lebens - Yggdrasil

Es liegt nahe, daß Nachtwanderung und Wintersonnenwende das bevorzugte Thema jener Symbole war: Durch magische Hilfe sollte der Tiefpunkt überwunden werden. Doch das Aufzeichnen und Betrachten des Symbols war dem Menschen nicht genug. Die Wirkung wurde verstärkt, durch das persönliche Nachahmen des Sonnenlaufs im Reigen oder im paarweisen Tanz um die Himmelsachse, den "Weltenbaum" – ein Brauch, der noch heute auf dem Land zu finden ist: Auf Kirchweih- und anderen Festen tanzen junge Paare um einen „Baum“, eine Stange, an deren oberem Ende ein Kranz hängt, mit dem die Tanzenden durch Bänder verbunden sind. Der Weltenbaum ist die Verbindung von Sommer- und Winterpunkt; der Kranz verkörpert den Tierkreis, durch den Sonne, Mond und alle Planeten um die Erde tanzen. Oder denken wir an das Umschreiten der Mitte im Sonnenlauf, das zum ältesten rituellen Brauchtum gehört.

Symbolischer Tod und Wiedergeburt

Und noch intensiver wollte der Mensch das Schicksal des Lichtgottes – Untergang und Wiedergeburt – nacherleben: Durch symbolisches Getötet- und Wiedergeborenwerden, wie es in den Mysterien geschah. Dort erlitt der Myste das Schicksal des Gottes. Er wurde getötet oder, was dasselbe ist, in die Unterwelt entführt wie Persephone in Eleusis, um dann in Verbindung mit einem dramatischen Mythos wiederzuerstehen. In den Isismysterien wird die Identität von Osiris mit der Sonne unmittelbar empfunden.

In anderen Fällen dient als Medium der Vegetationszyklus, das Stirb und Werde der Natur. Die tröstliche Urerfahrung, daß nach jedem Abend wieder ein Morgen, nach jedem Winter ein Frühling einzieht, wurde in der kultischen Nachahmung des kosmischen Geschehens persönlich erlebt; der Tiefpunkt wurde „durchtanzt“, die untergegangene Sonne, der ermordete Gott erwachte zu neuem Leben.

Hier liegen die Urformen des rituellen Geschehens: Im Umschreiten der Mitte – dem Tanz – und im Mysterium von Tod und Wiedergeburt.

Der Semiotiker Julius Schwabe (1892 - 1980) vermutete, daß das Kernerlebnis aller Mysterien darin bestand, daß man den „Tod und die Auferstehung leibhaftig durchmachte, der persönlichen Unsterblichkeit somit als einer Erfahrungstatsache völlig gewiß wurde.“ Die Zeugnisse von Eingeweihten geben zu denken: Im Homerischen Demeter-Hymnus, einem verschleierten Hinweis auf die Eleusinien, heißt es: „Selig, wer das geschaut von den sterblichen Menschen. Ihm wird schon hier in der Welt nichts Böses mehr zustoßen, und im Dunkel des Hades sieht er das Licht.“ Solche Aussagen können wir durch die Jahrhunderte verfolgen bis zu den Eingeweihten in die Mithrasmysterien. Es muß schon ein überwältigendes und vor allem tröstliches Erlebnis gewesen sein, das die Mysterien den Eingeweihten vermittelten.

Diese Kultform hätte sich sonst nicht über Jahrhunderte erhalten – oder dürfen wir von Jahrtausenden sprechen, wenn wir daran denken, daß die Freimaurerei zuweilen als der letzte Mysterienbund bezeichnet wird?

 Metamorphosen

Die Rituale, die aus verschiedensten Quellen in diesen Bund eingeflossen sind, haben vielfältige Wandlungen durchlaufen. Wir dürfen sicher sein, daß die frühen Bauhütten keine Rituale pflegten, wie wir sie heute in der Freimaurerei kennen. Und doch waren diese Bruderschaften wie keine andere Organisation geeignet, rituelles Brauchtum in sich aufzunehmen. Kehren wir noch einmal zu jenen Steinsetzungen zurück, mit deren Hilfe unsere Vorfahren den Willen der Götter zu erforschen suchten, so stellen wir fest, daß diese – die Planeten, die noch heute Götternamen tragen – neben der schon erwähnten Rota vier weitere Symbole offenbarten, die seit der Jungsteinzeit (11.500 - 2.200 v. Chr.) in Höhlen, Kultstätten und Gräbern verewigt wurden (auch Sonne und Mond wurden zu den Planeten gerechnet). Das nach oben weisende Dreieck ergibt sich aus den Positionen der Sonne auf dem (später so genannten) Tierkreis zu den Tagundnachtgleichen und zur Sommersonnenwende. Das Quadrat zeichnet der Mond in seinen vier Phasen auf dem Tierkreis. Die jeweils gleiche Konstellation zwischen Sonne und Venus, auf dem Tierkreis fixiert, ergibt ein Pentagramm; und mit Merkur trifft sich das Tagesgestirn je dreimal im Jahr zur oberen und zur unteren Konjunktion, woraus ein Hexagramm entsteht. Ebendiese Figuren dienten seit frühesten Zeiten in der Architektur der Kultbauten als „Schlüsselfiguren“, d. h. als Konstruktionsgrundlagen!

Die Begegnungsstätte zwischen Göttern und Menschen mußte den Göttern entsprechen. Von den Pyramiden Ägyptens über die Tempel des Alten Orients und des antiken Griechenlands bis zu den gotischen Kathedralen des Mittelalters bestimmten Kreis, Dreieck, Viereck, Pentagramm und Hexagramm die Proportionen. Der allenthalben angewandte "Goldene Schnitt" wurde mit Hilfe des Pentagramms gewonnen. Hier liegt der Ursprung des esoterischen Brauchtums der Freimaurer als geistige Nachfolger der Mittelalterlichen Dombauhütten. Die angesprochenen Symbole sind in der Freimaurerei von zentraler Bedeutung.

Lichter in der Loge

Von wirklich rituellen Elementen im Brauchtum der englischen Logen (lodge = Bauhütte) als Ausgangsort der Freimaurerei erfahren wir erstmals im 17. Jahrhundert. Diese Wandlung dürfte bereits auf den Einfluß der großen Zahl von „Angenommenen Maurern“ zurückzuführen sein, die bis dahin Aufnahme in den Logen gefunden hatten. Im Edinburgh Register House Manuscript von 1696 wird nach „Lichtern in der Loge“ gefragt. Die Antwort gibt deren Position nach Himmelsrichtungen an und setzt die Lichter mit dem Meister und den Aufsehern gleich. Wo aber der Raum einer Zeremonie nach Himmelsrichtungen eingeteilt wird, wo der Meister „im Osten“ seinen Platz hat, dort ist der Sonnenkult in dieser Ordnung einbegriffen; dann ist dieser Raum ein Abbild des Kosmos; und dann ist das Umschreiten der Mitte nicht vom kosmischen Geschehen, vom Lauf der Sonne und ihrem Stirb und Werde zu trennen, mag dieses Geschehen den Teilnehmern bewußt sein oder nicht.

Im "Wilkinson Manuscript" (ca. 1727) erfahren wir das erste Mal etwas von einer Umführung des aufzunehmenden Kandidaten. In diesem Manuskript und der nur wenig jüngeren Verräterschrift "Masonry Dissected" (1730) von Samuel Prichard (1730) finden wir bereits eine ganze Reihe von Passagen, die den heutigen Ritualen sehr ähnlich sind.

Reisen

Es ist allerdings fraglich, ob die Mehrheit der Freimaurer des frühen 18. Jahrhunderts z. B. in der Umführung des Neophyten noch einen Zusammenhang mit dem Sonnenkult erkannte. Spätestens ab 1760 verstanden manche Logen die Reisen lediglich als Vorstellung des Kandidaten vor der Bruderschaft, wie eine englische Schrift mit dem Titel Three distinct Knocks zeigt: „Why was you led Three times round the Lodge? – That all the Brethren might see I was duly prepar’d.“ (Warum wurden Sie dreimal rund um die Loge geführt? – Damit alle Brüder sehen konnten, daß ich gehörig vorbereitet war.) So laufen manche Freimaurerrituale auf eine feierliche Zeremonie hinaus, die dem Kandidaten Tugendlehren vermitteln soll. Jene unerbittliche Einschwörung auf einen tugendhaften Lebenswandel hat die ethische Zielsetzung der Weltfreimaurerei bis heute geprägt.

Glauben, in dem alle Menschen übereinstimmen

Von der Geburtsstätte dieses Bundes in England aus wurde jener liberale Geist in die Welt hinausgetragen, der mit den Begriffen „Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit“ beschrieben wird und der den Alten Pflichten jenen Satz geschenkt hat von dem „Glauben, in dem alle Menschen übereinstimmen“.

Diesem Umstand verdankt die Freimaurerei ihren polaren Charakter, der sich zum einen in einem Programm der Selbsterziehung („Arbeit am Rauhen Stein“) und der Überwindung des Trennenden zwischen den Menschen, zum andern in den Initiationsriten manifestiert. Auch in den heutigen Ritualen finden wir neben dem eigentlich rituellen Gehalt Ethiklehren, die einem Ritual, streng genommen, wesensfremd sind. Vergessen wir aber nicht, daß der „gute Mensch“ auch in den Mysterien und alten Baugesellschaften angestrebt wurde!

Frei von Blutschuld

Wer zu den Weihen zugelassen werden wollte, mußte frei von Blutschuld sein. Der griechische Geschichtsschreiber Diodoros (erste Hälfte 1. Jh. v. Chr.) läßt uns wissen, daß „diejenigen, die an den Weihen von Samothrake teilgenommen hätten, frömmer, gerechter und im ganzen besser würden, als sie zuvor gewesen waren“; und Cicero (106 - 43 v. Chr.) spricht von der „humanitas“, die Athen aller Welt mit den Mysterien geschenkt habe.

Der berühmte römische Architekturtheoretiker Vitruv (1. Jh. v. Chr.) stellt hohe ethische Anforderungen an die Baumeister (bis hin zu philosophischer Bildung), und aus den Hüttenbüchern der alten Dombauhütten haben wir zahlreiche Hinweise auf sittliche und gemeinnützige Zielsetzungen.

Daß die humanitas im rituellen Geschehen inbegriffen ist, dafür gibt es viele, auch psychologische Erklärungen; eine sehr einfache leuchtet nach dem zuvor aufgezeigten starken Bezug des Rituellen zum Sonnenkult ein: Wer einmal „Sonne war“, wer im Umschreiten der Mitte sich ganz mit dem Wirken der ewigen Gesetzmäßigkeiten identifiziert hat, der kann schlechterdings nicht mehr „gegen den Sonnenlauf“ anrennen, indem er seine Umwelt zerstört oder seine Mitgeschöpfe quält. Anders ausgedrückt: Wer im rituellen Erleben einen Sinn für sein eigenes Leben gefunden hat, der wird diesen Sinn auch seinen Mitgeschöpfen zugestehen. Das aber schließt Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit ein.

Einklang mit den höheren Mächten

Ein Ritual ist von seinem Wesen her zeitlos. Es spielt das kosmische Geschehen nach – ursprünglich ein bewußtes „Spiel“ des Menschen, um im Einklang mit den höheren Mächten zu leben. Nach und nach ging das Wissen um einzelne Zusammenhänge verloren, und es blieben Formen zurück, die unterschiedlich gedeutet wurden. Die harmonisierende Wirkung dieses Tuns auf die menschliche Psyche aber gehört ungebrochen zu den rituellen Erfahrungen des Menschen. Nur so ist zu erklären, daß Rituale auch heute noch gepflegt werden, und daß sich die Freimaurerei in dieser Form entwickeln konnte, obgleich unser „aufgeklärter“ Geist sich einer entmythisierten und entgötterten Welt gegenübersieht.

Obgleich Rituale letztlich etwas Urreligiöses sind, kann die Freimaurerei von ihrem Selbstverständnis her keine Ersatzreligion sein; denn sie vereint in ihren Reihen Gläubige aller Religionen. Der religiöse Kultus dient der Anbetung des Gottes einer Glaubensgemeinschaft und dem Seelenheil der Gläubigen; die Tempelarbeit soll dem Freimaurer die Werkzeuge in die Hand geben und ihm den Weg zur individuellen Gotteserkenntnis weisen.

 

 

 Die Erkenntnisstufen

 

Die Freimaurerei gliedert sich grundsätzlich in drei Erkenntnisstufen (Johannislehrling, Johannisgeselle und Johannismeister). Sie symbolisieren den Weg der persönlichen Weiterentwicklung. Die Johannisloge soll dem Mitglied Antworten auf die drei zentralen Fragen der philosophischen Anthropologie geben:

- Woher kommt der Mensch?

- Was ist der Mensch und was ist seine Bestimmung in der Welt?

- Wohin geht der Mensch nach seinem Leben?

 

Die symbolischen, der handwerklichen Tradition entlehnten Erkenntnisstufen versinnbildlichen dabei die inneren Entwicklungsstufen, die ein Freimaurer im Laufe seines maurerischen Lebens durchläuft. Von Stufe zu Stufe findet dabei eine zunehmende Initiation durch verschiedene Legenden und Symbolhandlungen statt, mit der ethische Werte erfahrbar werden. Dabei soll der Initiierte sich weiterhin vervollkommnen. Ein Freimaurer, der in diesen Stufen arbeitet, soll anderen Freimaurern immer auf gleicher Ebene begegnen, eine Hierarchie besteht nicht. Die "drei großen Gedanken" Immanuel Kants (1724 - 1804), die Forderungen der praktischen Vernunft - Gott, Freiheit, Unsterblichkeit -, stellen in unserer Johannisloge den Inhalt der Erkenntnisstufen dar.

 

Die Ausbildungsschwerpunkte, die im Laufe der Zeit spezifisch vermittelt werden, berühren drei große Themenbereiche, nämlich

- spirituelles Leben und menschliche Reifung;

- freimaurerisch-wissenschaftliche Bildung und

- rituelle Befähigung.

 

I. Der Johannislehrling

Der fremde Suchende wird in einer feierlichen Arbeit in die Loge aufgenommen. Die Erkenntnisstufe des Johannislehrlings dient der Selbstreflexion. Die Erkenntnis der eigenen göttlichen Abstammung, die Bewußtwerdung des „göttlichen Funkens“ in jedem Menschen steht im Mittelpunkt. Dabei kommen Elemente der christlichen Mystik, wie sie von Meister Eckhart vertreten wurden, zum Tragen. Der Gottesglaube soll aus einem Bekenntnis des Mundes zu einem Erleben der Seele werden. Diese transzendente Erkenntnis wird in der Symbolik mit Begriffen der historischen Baugewerke vermittelt.

Zur Vermittlung dieser Inhalte dient ein rituelles Rollenspiel. In einem festgelegten und immer gleichen Wechselgespräch zwischen dem Vorsitzenden Logenmeister und seinen Beamten werden Symbole und Allegorien im Kontext unserer Tradtion im Orden präsentiert. Die Brüder sollen diese Symbole auf sich, auf ihr Inneres, wirken lassen. So soll eine charakterliche bzw. seelische Entwicklung inspiriert werden. Das bewußte Erleben des Eintritts in das Leben, in die irdische Zeit und in die Schöpfung sind die Themen der eindrucksvollen Initiation bei der Aufnahme.

 

Nach mindestens neun Monaten regelmäßiger Teilnahme an den Arbeiten kann er zur Aufnahme zum Gesellen vorgeschlagen werden.

 

II. Der Johannisgeselle

Die II. Erkenntnisstufe der Freimaurerei ist die des Johannisgesellen. Sie stellt u. a. die Idee der Freiheit und Selbstverantwortung dar. Zu dieser Erkenntnisstufe gehört auch die intensive Beschäftigung mit den Sieben freien Künsten der Antike.

Neben der handwerklichen Tradition ist die Wirkung bipolarer Strukturen bedeutend. Alle Menschen, die gesamte Natur sind eng miteinander verknüpft. Keine Handlung steht für sich alleine, so daß die ethische Verantwortung, die dem Menschen im christlichen Sinne mitgegeben wurde, sich auf alle Aspekte der Existenz ausweitet. Jede Handlung hat Konsequenz, daher sollte jeder Entschluß, jede Handlung möglichst qualitativ hochwertig und auf das Wohl aller ausgerichtet sein. Es gilt das Bewußtsein zu schärfen, daß alle Kraft des Menschen sich in Gott gründet.

Im Gegensatz zur Aufnahme als Johannislehrling vermittelt die Aufnahme zum Johannisgesellen keine eigentliche Initiation, weil sie eine Wanderung durch das Leben im hellen Licht darstellt und damit in der Zeitlichkeit bleibt. Dafür wird bei der Aufnahme die brüderliche Gemeinschaft, die Freude und der Frohsinn hervorgehoben.

Nach mindestens neun Monaten regelmäßiger Teilnahme an den Arbeite kann er zur Aufnahme zum Meister vorgeschlagen werden.

 

III. Der Johannismeister

Die III. Erkenntnisstufe, der Johannismeister, ist die höchste Erkenntnisstufe der Johannismaurerei. Sie betont schließlich die eigene Vergänglichkeit. Die fröhliche Gesellenzeit und die Reisen des Gesellen sind zu Ende gegangen. Das Meisterritual bringt die Unsterblichkeitshoffnung zum Ausdruck. Der Bruder schreitet durch die tiefsten Tiefen, um gewandelt zum höchsten Licht aufzusteigen. Er durchlebt einen Transformationsprozeß! Der rituelle Handlungsablauf bringt dem Bruder diese Handlungssymbolik nahe. Ziel ist die Erneuerung des Geistigen, die Neustrukturierung des persönlichen Daseins, die das Leben gleichsam in eine höhere Ebene überführt. Es ist die eindrucksvolle Darstellung des Verlassen des Lebens und der irdischen Zeit bei gleichzeitiger Erhebung auf eine andere Bewußtseinsebene.

Das Bewußtsein der eigenen Endlichkeit führt zwangsläufig zur Beschäftigung mit dem, was nach dem Tode kommt. Hier wird aber keine eigene Theologie vermittelt, sondern es wird nur der Blick auf das Göttliche gerichtet und die nähere Ausgestaltung den Kirchen überlassen.

Die Johannismeister sind vollberechtigte Mitglieder der Loge und besitzen auch das passive Wahlrecht.