^Seitenbeginn
foto1 foto2 foto3 foto4 foto5

Historie

Geschichte der Freimaurerei in Krefeld

Krefeld[1], eine preußische Exklave im nördlichen Bereich des Erzstifts und Kurfürstentums Köln, fiel nach dem Aussterben des moersischen Grafengeschlechts, ursprünglich durch die Herzöge von Kleve belehnt, 1702 an Preußen. Im Friedensvertrag von Basel 1795 übertrug Preußen seine Gebietshoheit über seine linksrheinischen Gebiete an die Französische Republik. 1804 wurde durch den Friedensvertrag von Lunéville durch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auch die territoriale Souveränität dieser Gebiete an Frankreich übertragen. Nach dem Ende der Befreiungskriege trat Frankreich diese Gebiete im Friedensvertrag von Paris 1814 an das hieraus neu entstandene Generalgouvernement der alliierten Mächte (Rußland, Österreich und Preußen) ab. Die endgültige Neuordnung erfolgte dann auf dem Wiener Kongreß 1815, nach dessen Schlußakte die linksrheinischen Gebiete an Preußen fielen.

Krefeld war zu diesem Zeitpunkt eine bedeutende Textilgewerbe- und Handelsstadt. Das im 17. Jahrhundert von aus den Niederlanden eingewanderten Mennoniten und aus der Bayerischen Pfalz stammenden Reformierten eingeführte Seidenmanufakturgewerbe erlangte Weltgeltung. König Friedrich Wilhelm I. in Preußen (1713 – 1740) befreite daher die Krefelder Bürgerschaft von der militärischen Aushebung. Während der französischen Fremdherrschaft, in der Krefeld zum Departement de la Roer gehörte, beteiligten sich mehrere namhafte Logenmitglieder an der munizipalen und departementalen Verwaltung und bekleideten Ehrenämter.

Krefeld hatte in den Jahren 1787 und 1804 jeweils 7.896 bzw. 8.363 Einwohner.

 

Die Loge „Zur vollkommenen Gleichheit“

Im Preußischen Geheimen Staatsarchiv befinden sich keine Akten der Loge „Zur vollkommenen Gleichheit“. Die bis zum Jahre 1935 überlieferten Akten sind bei Schließung der Loge „Eos“ durch die Geheime Staatspolizei vernichtet worden. Die folgende Darstellung stützt sich daher auf die Logengeschichten des Karl Pistorius – 1893 -, dem noch das Logenarchiv zur Verfügung stand, von Guido Rotthoff – 1961 – und Egon Wiegel – 2003 -–[2]

Obwohl Krefeld wesentliche soziale Voraussetzungen für eine Loge aufwies – ein bedeutendes und wohlhabendes Manufaktur- und Handelsbürgertum, eine kommunale Beamtenschaft und Bildungseliten – Theologen, Lehrer, Ärzte -, faßte die Freimaurerei in Krefeld erst ein halbes Jahrhundert nach ihrem Aufkommen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation Fuß.

Hinderungsgründe könnten die mitgliederstarken Logen in der Nachbarschaft, insbesondere in Aachen, gewesen sein. Aber auch konfessionelle Gründe könnten eine Rolle gespielt haben, weil die Mennoniten im Westfälischen Friedensvertrag 1648 nicht zu den anerkannten Konfessionen gerechnet wurden. Sie waren von der landesherrlichen Duldung abhängig. Zudem lehnten sie die Eidesleistung ab, was die Aufnahme in eine Loge zumindest erschwerte. Die Große National-Mutterloge „Zu den drey Weltkugeln“ regelte ihr Verhältnis zu den Mennoniten erst, als die Grafschaft Moers 1795 nicht mehr preußisch war.[3]

Die Initiative zur Logengründung ging am 18. August 1788 von acht Krefelder Freimaurern aus: den Unternehmern Engelbert vom Bruck, Peter v. Löwenich, in dessen Haus man zusammenkam, Friedrich Heydweiller, Emanuel Stähelin, Johannes ter Meer, Friedrich Heinrich v. d. Leyen, Jakob Winkelmann und dem Lehrer Johannes Lang. Sie waren jeweils Mitglieder von Logen der Großen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes in Aachen, Frankfurt am Main und Neuwied. Aus diesem Grund und weil die gesellschaftlichen Verbindungen des linksrheinischen Gebietes in die preußische Hauptstadt sehr locker geknüpft waren und es dort keine Logen des Eklektischen Bundes gab, bemühten sich die Stifter nicht um eine Konstitution einer der Altpreußischen Großlogen, sondern beauftragten vom Bruck und Heydweiller, sich in Frankfurt am Main beim Direktorium der Großen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes, einer englischen Provinzialloge, um ein Patent zu bemühen.

Sie hatten Erfolg. Bereits am 10. Oktober 1788 fertigte die Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes das Konstitutionspatent aus. Die Loge erhielt den Namen „Zur vollkommenen Gleichheit“. Das Patent kostete zwölf Golddukaten. Das Logensiegel zeigt eine aus dem Himmel herausreichende Hand mit einer Waage, deren Schalen im Gleichgewicht sind. Die Umschrift lautet „Aequalitate coniuncti“ – lat.: „in Gleichheit Verbundene“ -.

Die Großloge beauftragte den Meister vom Stuhl der Aachener Loge „Zur Beständigkeit“, Wilhelm Elias Weidenfeld, die neue Loge zu installieren. Er erfüllte am 9. November 1788, einem Sonntag, seinen Auftrag.[4] Zur Einweihungsfeier der neuen Loge erschienen neun Mitglieder und 17 Gäste, unter ihnen die Vorsteher der Aachener Loge Friedrich und Bartholomäus v. Löwenich. Die Führung der Loge wurde dem 49-jährigen Unternehmer Engelbert vom Bruck anvertraut, einem aufgeklärten Intellektuellen.

Vom Bruck teilte offenbar weder den preußischen Behörden[5] noch den Altpreußischen Großlogen die Gründung mit, sondern lediglich der eigenen Großloge. Obwohl die Krefelder Loge ihre Tochterloge war, wollte diese ein Höchstmaß an Autonomie bewahren.[6] Nach vom Brucks Auffassung besäße die Großloge nur die Exekutivgewalt aller in ihr vereinigten Tochterlogen, wäre aber nicht berechtigt, selbständige Beschlüsse zu fassen und ihre Beschlüsse den einzelnen Logen aufzuzwingen.[7]Dem stand die Auffassung der Großloge entgegen, die offenbar mit Zustimmung der Großloge von London auf diesem Recht bestand. Im Rechtsstreit zwischen der Großen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes und der Loge „Zum Kompaß“ in Gotha, die sich den damaligen Vereinigungsbemühungen anschloß und einen allgemeinen deutschen Logenbund stiften wollte, neigte die Krefelder Loge dem Gothaischen Standpunkt zu und erklärte am 1. Juli 1792 förmlich ihren Beitritt zu diesem Bund. Der noch im gleichen Monat beginnende Erste Koalitionskrieg (1792 – 1797) machte indes alle Pläne zunichte.

Die Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes stellte am 8. Juni 1793, einen Tag vor der französischen Besetzung der Reichsstadt Frankfurt am Main und die Loge „Zur vollkommenen Gleichheit“ nach ihrer letzten Zusammenkunft am 6. September 1794 – bie sieben anwesenden Mitgliedern – ihre Tätigkeit ein.

Der Krieg, die nachfolgende militärische Besetzung Krefelds und der Weggang des Meisters vom Stuhl, Johannes Lang, des Amtsnachfolgers vom Brucks, hatten zur Folge, daß die Loge sieben Jahre lang ruhte. Sie trat erst am 15. Januar 1801 wieder auf Initiative des letzten Meisters vom Stuhl nunmehr unter dem Namen „La parfaite égalité“ zusammen. Sie bekannte sich am 6. November 1802 nach Wiedereröffnung der Großloge – 1801 – als deren Tochter. Vieles sprach allerdings angesichts der Gebietshoheit der französischen Besatzungsbehörden in Krefeld für einen Beitritt zum „Grand Orient de France“. In dem Richtungsstreit der Loge zwischen vom Bruck ./. v. Löwenich erhielt schließlich die frankophile Gesinnung eine Mehrheit. Vom Bruck trat 1805 vom Amt des Meisters vom Stuhl zurück und 1807 schließlich aus der Loge aus. Sie wählte daraufhin Peter v. Löwenich zum Meister vom Stuhl. Im Jahre 1808 genehmigte der Grand Orient die Affiliation. Ob allerdings eine Konstituierung aufgrund des französischen Patentes erfolgte, scheint indes fraglich. Die Loge arbeitete nachweislich noch bis 1810, soll aber noch bis 1818 bestanden haben,[8] was allerdings unwahrscheinlich sein dürfte. Denn nach der Rückgliederung Krefelds in das Königreich Preußen nach dem Wiener Kongreß 1815 hätte eine Loge ohne ein Konstitutionspatent einer der drei Altpreußischen Großlogen, um welche sich die Krefelder Loge offenbar auch nicht bemühte, keine polizeiliche Zulassung erhalten; sie wäre demnach eine illegale Vereinigung gewesen.

Die Johannisloge „Eos“

Nach dem Ende der Befreiungskriege 1815 und der Rückkehr Krefelds zu Preußen kam es allerdings erst am 14. März 1853 zur Gründung einer Ordensloge. Die Einwohnerzahl der Stadt hatte sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf etwa 40.000 erhöht, und die wirtschaftlichen Verhältnisse verbesserten sich.

Einige Mitglieder der 1845 in Rheydt gestifteten Johannisloge „Vorwärts“, welche damals zur „Großen National-Mutterloge ‚Zu den drey Weltkugeln’“ gehörte, initiierten die Stiftung der Johannisloge „Eos“. Zuvor hatte sich in Krefeld am 13. September 1847 ein freimaurerisches Kränzchen „Aurora zur vollkommenen Gleichheit“ gebildet, mit der man u. a. an die Namensgebung der ersten Krefelder Loge anknüpfen wollte. Zu diesem Zeitpunkt lebten aus der alten Krefelder Loge nur noch die Mitglieder Friedrich Wilhelm Hoeninghaus und Heinrich vom Bruck, die 1854 bzw. 1861 verstarben. Da der Name „Aurora“ bereits an eine Loge in Minden i. Westf. vergeben war, trat am 6. Januar 1852 ein zweites freimaurerisches Kränzchen unter dem Namen „Eos“ zusammen, aus welchem die heutige Johannisloge gleichen Namens hervorging.

Da die Initiative zur Logengründung in Krefeld seitens der Johannisloge „Vorwärts“ ausging, bestand das Bemühen der Stifter darin, die neue Loge in Krefeld ebenfalls der Großen National-Mutterloge zuzuführen. Den in der Johannisloge „Prinz von Preußen – Zu den drei Schwertern“ in Solingen aufgenommenen, in Krefeld aber wohnhaften Johann Wilhelm Nonnenbruch gelang es aber, die Stifter davon zu überzeugen, die zu stiftende Johannisloge der „Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ zuzuführen, der sie heute noch angehört.

Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland - eine der drei Altpreußischen Großlogen - ist unter dem Protektorat der Könige von Preußen groß geworden und lebt und wirkt in nationaler und militärischer Tradition. Ihr Brauchtum ist die "Schwedische Lehrart", eine christlich-protestantische Variante der Freimaurerei, die sonst nur in den skandinavischen Ländern, ausgenommen Finnland, gepflegt wird.

Unter dem 14. März 1853 wurde der Johannisloge „Eos“ das Konstitutionspatent Nr. 102 erteilt. Die Inarbeitsetzung der Johannisloge erfolgte am 11. Juni 1853 im damaligen Hotel Oberheim – Hochstraße/Ecke Marktstraße -. Stifter der Loge waren folgende Mitglieder (in Klammern Alter bei Gründung):

- Wilhelm Kreeft (50), Fabrikbesitzer in Süchteln;
- Johann Wilhelm Nonnenbruch (50), Katasterkontrolleur in Krefeld;
- Friedrich Ernst Nauck (34), Gewerbeschuldirektor in Krefeld;
- Friedrich Wilhelm Altgeld (22), Kaufmann in Krefeld;
- Gerhard Andres v. Garrelts (56), Oberst a. D. in Düsseldorf;
- Heinrich Adolf Heilgers (25), Kaufmann in Krefeld;
- Robert Weyer (24), Kaufmann in Krefeld;
- Friedrich Christian Oberheim (42), Hotelier in Krefeld.

V. Garrelts war bereits 1840 Stifter der Johannisloge „Prinz von Preußen – Zu den drei Schwertern“; von Nauck stammt das heute noch verwendete Logenbijou. Nonnenbruch war 1841 in die Johannisloge in Solingen aufgenommen worden und übernahm noch im Gründungsjahr das Amt des Vorsitzenden Logenmeisters.

1855 bot sich die Gelegenheit an, ein Grundstück an der Königstraße zwischen Südwall, Petersstraße und Mittelstraße zum Preis von Thl. 6.000,-- zu erwerben. Zwei Jahre später begann man mit der Planung eines eigenen Logenhauses, dessen Kosten auf Thl. 15.000,-- veranschlagt wurden. Die tatsächlichen Baukosten betrugen indes Thl. 16.580,--. Anläßlich der Grundsteinlegung am 8. Juli 1857 wurde eine Kapsel mit Logenbelegen eingemauert – welche bei den 1998 durchgeführten Ausschachtungsarbeiten allerdings nicht mehr wiedergefunden wurde. – Am 22. August 1858 wurde das Logenhaus auf der Königstraße 5 schließlich seiner Bestimmung übergeben und eingeweiht. Die Räumlichkeiten des Logenhauses waren bereits bei der Planung so gestaltet worden, daß auch die 1855 in Solingen gestiftete Andreasloge „Conjuncta“ und auch das 1868 gestiftete „Rheinische Provinzial-Ordenskapitel Conjuncta“ ebenfalls dort untergebracht werden konnten.

Mit dem seit ihrer Gründung stetigen Anwachsen der Mitgliederzahlen vergrößerten sich auch ihre finanziellen Aktivitäten auf caritativem Gebiet. Die Johannisloge unterhielt eine Armenkasse, begründete 1856 eine „Witwen- und Waisenstiftung“ und war auch Mitglied der „König-Wilhelm-Stiftung“, der „Victoria-Stiftung“, der „Kronprinz-Friedrich-Wilhelm-Stiftung“ und der „Augusta-Stiftung“.

Auf ein Gesuch der Johannisloge wurde ihr 1883 durch den Deutschen Kaiser, König Wilhelm I. von Preußen (1861 – 1888) ein stattliches Ölgemälde dediziert. Es wurde anläßlich des Stiftungsfestes des Ordenskapitels „Conjuncta“ am 23. Dezember 1883 durch den damaligen Ordens+Meister Alexis Schmidt übergeben und hing bis zur Zwangsauflösung 1935 im Tempel. Es konnte der Beschlagnahme durch die Geheime Staatspolizei vorenthalten werden und befindet sich wiederum im heutigen Logenhaus.

An dem heldenhaften Ringen des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) nahmen 42 Mitglieder teil. Vier von ihnen, Langenfeld, Bertram, Schroeder und Wittmüs fielen für das deutsche Vaterland. Der am Tage des Attentats auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz-Ferdinand von Österreich-Este am 28. Juni 1914 durch den damaligen Landesgroßmeister Graf Heinrich zu Dohna eingesetzte Vorsitzende Logenmeister Georg Bohle nahm ebenfalls am Kriege, zuletzt als Bataillonskommandeur, teil.

Unter der Amtszeit des Vorsitzenden Logenmeisters Dr. Friedrich Höchtlen 1923 bis 1932 erreichte die Johannisloge „Eos“ mit 269 Mitgliedern ihren höchsten Mitgliederbestand.

Nachdem im Laufe der Logenentwicklung mehrere Mitglieder aus Nachbarstädten stammten, wurde von ihnen der Wunsch geäußert, auch an ihren Wohnsitzen freimaurerische Kränzchen und Vereinigungen zu bilden. Solche, der Johannisloge Eos angeschlossenen und von ihr betreuten Gesellschaften entstanden:

- 1892 in Moers: Freimaurerische Vereinigung „Ernst und Falk“;
- 1895 in Düsseldorf: Freimaurerisches Kränzchen „Rose und Akazie“
- 1898 in Köln: Freimaurerisches Kränzchen „Freimut und Wahrheit";
- 1911 in Homberg am Niederrhein: Freimaurerische Vereinigung „Zur Wacht am Rhein“;
- 1912 in Duisburg: Freimaurerische Vereinigung „Mercator zum Zirkel“.

Damit strahlte die Johannisloge auch in ihr Umland aus. Aus den genannten Kränzchen in Düsseldorf und Köln entstanden 1897 bzw. 1904 eigenständige Johannislogen gleichen Namens. Die Vereinigung in Duisburg bestand bis mindestens 1927, diejenigen in Homberg a. Nrh. und Moers bis zur Zwangsauflösung 1935.

Mit der wachsenden Mitgliederzahl und der Vergrößerung der in Krefeld ansässigen Ordensabteilungen der Großen Landesloge wurden schon im 19. Jahrhundert mehrere Erweiterungen des Logenhauses notwendig. Um die für die Baumaßnahmen erforderliche Finanzierung sicherzustellen und die logeneigene parkähnliche Anlage des Grundstücks zu nutzen, wurde 1872 beschlossen, eine mit der Loge verbundene „Gartengesellschaft“ zu gründen, der auch Nichtmitglieder der Johannisloge beitreten konnten, die 1894 67 Mitglieder hatte. Nachdem der Finanzierungszweck erfüllt war, wurde 1925 – noch in der belgischen Besatzungszeit – beschlossen, daß diese Gartengesellschaft keine weiteren Mitglieder mehr aufnehmen könne. Sie lief dann in der Folgezeit durch Wegfall ihrer Mitglieder aus. Auch die Ökonomie des Logenhauses bereitete in der Anfangsphase Schwierigkeiten, die aber dadurch behoben werden konnten, daß die Johannisloge einen schwunghaften Weinhandel betrieb. Dies führte zu einer beträchtlichen Erweiterung der Innenausstattung des Logenhauses: 1878 konnte ein Konzertflügel erworben werden, ein Pianoforte wurde gestiftet. 1864 kamen ein Harmonium und zwei Billardtische hinzu. Bereits 1862 konnte eine Kegelbahn eingerichtet werden, die 1888 erweitert wurde, die Bibliothek umfaßte bereits vor 1900 etwa 500 Titel. Im Laufe der Jahre mußte auch das Logenhaus den veränderten Bedingungen angepaßt werden. Die rituellen Räume wurden jeweils für den I./II. Grad und den III. Grad neugestaltet, für die Andreasgrade erweitert und für den VII. und X. Kapitelgrad neu erstellt. Weiterhin wurde ein großer Speisesaal, Küche, Gesellschaftszimmer, Lesezimmer, Konferenzraum, Archiv und im Obergeschoß die Wohnung des Ökonomen eingerichtet.

Die Johannisloge Eos gehört zu denjenigen Logen, die vor dem Jahre 1900 gegründet wurden. Ihr wurde durch Allerhöchste Kabinettsordre vom 31. Dezember 1899 die Rechte einer Juristischen Person verliehen.

Den Ersten Weltkrieg überstand die Johannisloge ohne größere Besonderheiten. Am 1. August 1914 verfügte sie über 240 Mitglieder, am 1. August 1918 über immerhin noch 233 Mitglieder. 42 Mitglieder befanden sich im Fronteinsatz, vier fielen. Einige Mitglieder beteiligten sich an Feldlogen, so u. a. Karl Seyffardt in den Feldlogen „Stern von Brabant“ in Brüssel und „Gral an der Schelde“ in Antwerpen, Hans Donath und Walter Bergs in der Feldloge „Zur Wacht an der Memel“ in Kowno, der spätere Vorsitzende Logenmeister Robert Haasen in der Feldloge „Zum Eisernen Kreuz“ in Lüttich. Das Logenhaus wurde während des Krieges nicht als Reservelazarett in Anspruch genommen.

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte aufgrund der Waffenstillstandsvereinbarungen von Compiègne und des Versailler Diktates vom 28. Juni 1919 im Zeitraum vom 3. Dezember 1918 bis zum 1. Februar 1926 die Errichtung des belgischen Besatzungsregimes. Das Logenhaus selbst wurde – bis auf drei Tage im März des Jahres 1921 – nicht requiriert, jedoch wurden die Logenveranstaltungen durch Beschränkungen der Verkehrsanbindungen sowie nächtlicher Ausgangsbeschränkungen erschwert. Zudem war mit dem Ende der Hohenzollernherrschaft der letzte Protektor der Altpreußischen Großlogen, Prinz Friedrich Leopold v. Preußen (1865 – 1931), der zugleich Ordens+Meister der Großen Landesloge war, am 18. Dezember 1918 von seinen Ämtern zurückgetreten. Der am 22. März 1919 gewählte Ordens+Meister Wilhelm Augustin Balthasar-Wolfradt nahm während der Besatzungszeit zweimal, in den Jahren 1921 und 1925, die Gelegenheit wahr, die Johannisloge in Krefeld zu besuchen.

Durch die rapide Geldentwertung im Zuge der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg, die im November 1923 ihren Höhepunkt erreichte, beschloß die Johannisloge zur Deckung der rapide gestiegenen Kosten bei Sterbefällen die Einrichtung einer eigenständigen „Sterbekasse“, an der sich immerhin 150 Mitglieder beteiligten. Auch sie bestand bis zur Zwangsauflösung 1935. Dagegen verlor die logeneigene „Witwen- und Waisenstiftung“ ihr gesamtes Vermögen. Nach der Währungsreform 1923/24 konnte diese in bescheidenen Maßen wieder aufgebaut werden und besaß bei ihrer Liquidation am 1. April 1939 einen Bestand von RM 26.268,09. Dieser Liquidationserlös wurde der national-sozialistischen Volkswohlfahrt zur Unterstützung der „Seitz-Reinke-Waldheilstätte“ in Kolberg übergeben. Diese Einrichtung übernahm 1945 das polnische Verwaltungsregime.

Ebenfalls bedeutungslos wurde die anläßlich des 25-jährigen Logenmeisterjubiläums Gustav Heimendahls am 20. Juni 1898 begründete „Gustav-Heimendahl-Stiftung“ mit einem Betrag von Goldmark 10.325,--. Dasselbe galt für alle anderen Stiftungen.

Am Ende der Weimarer Republik ab dem Jahre 1929 geriet die Johannisloge immer mehr in die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, der Massenarbeitslosigkeit und der politischen Agitation republikfeindlicher Kräfte. Nach dem Regierungsantritt des Reichskanzlers Adolf Hitler (1889 – 1945) am 30. Januar 1933 begann die allgemeine „Gleichschaltung“ des Deutschen Volkes. Die vielfältigen Vereine und Berufsvertretungen mußten sich in entsprechende national-sozialistische Pendents umwandeln oder auflösen. In der Folge verloren sie nicht nur ihre Identität und Mitglieder, sondern auch ihren Besitz und ihr Vermögen. Durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 und in Folge des Rund-Erlasses des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 10. Juli 1935, betreffend die Zugehörigkeit von Beamten zu Freimaurerlogen, anderen Logen und logenähnlichen Organisationen, wurden diese de facto zum Austritt aus den Logen bewogen, weil ihnen ansonsten die Zwangspensionierung oder der Ausschluß aus dem Beamtenverhältnis drohte.

Besonders diskreditierend war dann aber das Verhalten des damaligen Ordens+Meisters Friedrich Bolle und des damaligen Landesgroßmeisters Kurt v. Heeringen. Beide glaubten daran, den Bestand der Großen Landesloge dadurch erhalten zu können, die dem national-sozialistischen Regime nicht genehmen Inhalte der Freimaurerei aus dieser zu eleminieren. So änderte man den Namen in „Deutsch-Christlicher Orden der Tempelherren“, entfernte sämtliche alt-testamentlichen Bezüge in den Ritualen und ersetzte eine gradspezifische Legende durch eine alt-nordische Sage, hob die Nichtöffentlichkeit ritueller Logenveranstaltungen auf und lud sogar den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Joseph Goebbels (1897 – 1945), dessen Schwiegervater Oskar Ritschel Mitglied der Johannisloge Eos war, ein, eine rituelle Logenveranstaltung zu besuchen. Dieses Unterfangen war allerdings auch nicht von Erfolg gekrönt. Für eine – wie auch immer geartete Form der - Freimaurerei in Deutschland bestand im national-sozialistischen Staat kein Interesse, obwohl der Führer und Reichskanzler in einem Gespräch mit dem damaligen Reichswirtschaftsminister Dr. Hjalmar Schacht (1877 – 1970), dem einzigen freimaurerischen Mitglied der Reichsregierung, zugestehen mußte, daß „das Verhalten und die Gesinnung der Mitglieder der Altpreußischen Großlogen zu keiner Zeit, insbesondere im Weltkrieg, Anlaß zu irgendwelchen Beanstandungen gaben.“ Am 21. Juni 1935 beschloß der Deutsch-Christliche Orden seine Auflösung. Am 29. Juni 1935 feierte die Johannisloge Eos ihr letztes Johannisfest, am 20. Juli 1935 wurde dann die Auflösung der Johannisloge vollzogen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Loge über 202 Mitglieder. Von ihrer Stiftung bis zur Zwangsauflösung wurden insgesamt 739 Mitglieder aufgenommen.

Nach der erfolgten Zwangsauflösung traf sich ein Teil der Mitglieder zum „Montagskreis“; 24 Mitglieder wurden seit dem von der Geheimen Staatspolizei überwacht. Sie mußten Postkontrollen, Wohnungsdurchsuchungen und Beschlagnahmen erdulden. Einige hatten dienstliche Nachteile zu besorgen. Andere traten aus und wurden Mitglieder national-sozialistischer Organisationen. Am 25. September 1935 wurde schließlich das Logengebäude beschlagnahmt und die Liquidation des Logenvermögens bis zum 6. Mai 1939 durchgeführt. Zwischenzeitlich hatte die Geheime Staatspolizei das gesamte bewegliche Logeninventar aus dem Haus geräumt, die Ritualgegenstände dem „Westdeutschen Freimaurer-Museum“ in Düsseldorf übergeben und Bibliothek und Archiv nach entsprechender Auswertung in die Altpapiersammlung gegeben. Die gegen die Beschlagnahmungen erhobenen Einsprüche haben sowohl der Polizeipräsident in Krefeld als auch der Regierungspräsident in Düsseldorf zurückgewiesen. Das Logengebäude selbst wurde am 1. Juli 1937 zum Preise von RM 25.000,-- an die Firma Knuffmann veräußert, die das Gebäude in der Folge als Möbellager nutzte. Bei dem britischen Luftangriff am 21./22. Juni 1943 wurde es dann vollständig zerstört.

Nach dem Ende der geschäftsführenden Reichsregierung am 23. Mai 1945, fanden sich die in Krefeld verbliebenen Mitglieder wieder rasch zusammen. Bereits ab dem Monat Juni 1945 fanden wieder regelmäßige Besprechungen und ab dem Monat Januar 1946 wieder rituelle Arbeiten – allerdings ohne freimaurerische Bekleidung – statt. Am 24. April 1947 erteilte das britische Besatzungsregime die Bewilligung zur Wiedererrichtung der Johannisloge „Eos“; am 4. Januar 1948 erfolgte die Wiederverleihung der Rechte einer Juristischen Person durch den Regierungspräsidenten in Düsseldorf.

Das neue Logenquartier wurde bereits 1945 im Hause Südwall 22 bezogen. 1949 wechselte man zur Petersstraße 60 und 1951 in das Hotel „Krefelder Hof“ an der Rheinstraße/Ostwall/Sankt-Anton-Straße über, bis zum Jahre 1967, als der „Krefelder Hof“ auf Abbruch verkauft wurde. Anschließend verlegte man in das Hotel „Haus Schucht“ an der Uerdinger Straße. Nach erfolgreichem Abschluß der Wiedergutmachungsverhandlungen, der Rückübertragung und Veräußerung des Trümmergrundstücks Königstraße 5 konnte im Jahre 1970 das Logenhaus Bismarckstr. 103 erworben werden, in welchem bis zum Jahre 2018 gearbeitet wurde. Nach entsprechender baulicher Umgestaltung wurde in das zweite Logenhaus am 5. August 1971 durch den damaligen Landesgroßmeister Eugen Fritz das „Licht eingebracht“.

Ebenfalls wurde wieder an die Tradition der früheren Wohltätigkeitsanstalten angeknüpft und eine „Wohltätigkeitsstiftung“ als unselbständiges Sondervermögen eingerichtet, da diese „Stiftung“ zu keinem Zeitpunkt die Bewilligung des Regierungspräsidenten in Düsseldorf erhalten hatte. Mangels auszubringender Unterstützungen – Witwen und Waisen früherer Logenmitglieder gab es nicht mehr zu versorgen – wurde dieses Sondervermögen 2011 aufgelöst. Die Johannisloge „Eos“ ist noch korporatives Mitglied beim Wohltätigkeitsverein der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland e. V. und dem Freimaurerischen Hilfswerk e. V.



[1] Deutsches Städtebuch – Handbuch städtischer Geschichte, Bd. 3, S. 278-284; Dotzauer, Freimaurergesellschaften am Rhein, S. 103 f.

[2] Pistorius, Die Freimaurerei in Crefeld; Rotthoff, das Anwesenheitsbuch der Loge „Zur vollkommenen Gleichheit“, S. 109-112; Wiegel, Krefelder Freimaurer, S. 9-53. Herr Dr. Egon Wiegel – Krefeld – stellte die Texte dankenswerterweise zur Verfügung.

[3] PrGStA PK, Freimaurer, 5.1.4 Nr. 6092, Bl. 112 f.

[4] Pistorius, S. 11; Francke/Geppert, Die Freimaurer-Logen Deutschlands, S. 155.

[5] Pistorius, a. a. O.

[6] Ebd., S. 12.

[7] Ebd., S. 16.

[8] Francke/Geppert, a. a. O.